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Athermische EMF und Gesundheit

Auswirkungen der wireless -Technologie

von

Univ.-Doz.Dr.Ferdinand RUZICKA

Habilitiert für Medizinische Physik mit besonderer Berücksichtigung der Zytophysik (Cytophysics)

 

Die Situation in Österreich

Die Netzbetreiber haben praktisch jeden Winkel in Österreich über Mobilfunk erreichbar gemacht und teilen sich den Markt.

Laut Interessenverband der Mobilfunkbetreiber und Elektronikindustrie FMK  stehen in Österreich ca. 18000 Basisstationen. Diese Mobilfunkanlagen befinden sich auf Privatgrundstücken, auf und in Privatgebäuden, auf Gebäuden von Gemeinden, auf Lagerhaustürmen etc.  Bei einer Standortmiete von 2500-4000 € / Vertrag und Jahr kann davon ausgegangen werden, dass insgesamt eine Summe von 45 - 72 Millionen € /Jahr erlöst wird. Bereits 2005 wurde eine mehr als 100%ige Penetration mit Handys erreicht- sagenhafte 8,1 Millionen SIM-Karten für die rund 6 Millionen Mobilfunkkunden Österreichs. Alljährlich werden über drei Millionen Handys verkauft! Die Umsätze der Mobilfunker steigen weiter – wenn auch nicht mehr ganz so schnell. Insgesamt konnten die Netzbetreiber im 1.Halbjahr 2006 einen Gesamtumsatz von 1.868 Millionen Euro verbuchen. Die Anzahl der Gesprächsminuten  im 1.Halbjahr 2006 betrug 6,57 Milliarden, es wurden  937,7 Millionen SMS geschickt. Hinter vorgehaltener Hand formulierte einmal der ehemalige Chef eines recht aggressiven österreichischen Mobilfunkunternehmens die wahre Triebkraft der Branche: „So ein Handynetzbetreiber ist nichts anderes als eine Gelddruckmaschine“.

Von wem wird das Handy genutzt

·        Notfälle, die ein Mobiltelefon rechtfertigen, liegen bei nur 1% aller Verbindungen

·        Nur ca. 9% braucht das Gewerbe ein Mobiltelefon

·        Ca. 30% dienen dem Blabla für Erwachsene

·        Aber zu 60% ist es ein Spielzeug für Kinder und Jugendliche http://www.gigaherz.ch/694/

Gesundheit

In der Gründungspräambel der WHO wird  Gesundheit als Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheiten und Gebrechen definiert. Erweitert wurde diese Definition in der Ottawa-Charta als ein befriedigendes Maß an Funktionsfähigkeit in physischer, psychischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht und von Selbstbetreuungsfähigkeit bis ins hohe Alter (WHO 1987)

 

Bioaktive Wirkung und gesundheitliche Schädigung

Nach Hecht 2006 ist eine bioaktive Wirkung meistens eine unspezifische Reaktion des Organismus auf Fremdeinwirkungen physikalischer, chemischer, sozialer, mikrobiologischer Natur wobei er unterscheidet

-         ob die Reaktion vorübergehend ist und durch einen reversiblen Einschwingvorgang die Homöostase (Norm) wieder herstellt; das wäre eine normale Anpassungsreaktion eines Individuums oder

-         ob zeitweilig (z.B. über mehrere Tage) die veränderte Reaktion bestehen bleibt und sich dann wieder durch einen reversiblen Einschwingvorgang „normalisiert“. Das wäre mit einer Störung der Gesundheit gleich zu setzen, bei der die Fremdeinwirkung als Trigger effektiv war oder

-         ob die ausgelöste veränderte Reaktion auf Dauer mit Beschwerden, Einbußen der

      Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbunden ist.

                    

Unter gesundheitlicher Schädigung wird daher jede dauerhafte oder zeitweilig irreversible Veränderung der physio-psycho-sozialen Funktionsfähigkeit des Menschen, die sich durch Noxeneinwirkung kurz- oder langfristig entwickelte oder auch durch heftige kurzzeitige Einwirkungen (z.B. Schock) auftreten kann, verstanden ( Pischinger 1975; Weiner 1990; Perger 1988; Rimpler 1987; Trepel 1968; Schober 1953).

 Grenzwertfestlegung

 

Hecht stellte 2006 fest, dass zwischen den Grenzwertfestlegungen der ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protektion e.V.) und einigen osteuropäischen Ländern Differenzen bis zu drei Zehnerpotenzen bestehen. Die kaum messbare spezifische Absorptionsrate SAR der ICNIRP oder die Leistungsflussdichte an der Körperoberfläche und Modellrechnungen stellen keinen biologischen, sondern einen physikalisch angelegten Grenzwert dar der niemals zu den Lebensprozessen passen kann. Die athermische/biologische Wirkung von EMF auf den Menschen wird geleugnet. Die Regulationsvorgänge eines lebenden Organismus bleiben unberücksichtigt ebenso wenig  werden Zeitfaktoren berücksichtigt. Die osteuropäischen Länder dagegen verwendeten bei der Festlegung ihrer Grenzwerte als Kriterium die Vermeidung athermischer/ biologischer Wirkungen für funktionelle und strukturelle Veränderungen da die athermische/biologische Wirkung von EMF auf den Menschen bereits durch Physiologie und Pathophysiologie belegt ist.

 

Warnung der Wiener Ärztekammer!

 

Die Wiener Ärztekammer hält ihre Warnung vor möglichen gesundheitlichen Gefahren, die von Mobilfunkstrahlen ausgehen könnten, aufrecht. "Gerade Studien, die methodisch sauber und wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurden, sind ein deutlicher Beleg für negative Auswirkungen von übermäßigem Telefonieren mit dem Handy. Daher müssen wir auch weiterhin vor möglichen gesundheitlichen Konsequenzen warnen", lässt sich Erik Huber, Referent für Umweltmedizin der Ärztekammer für Wien, nicht von gegensätzlichen Aussagen beirren.

Die "10 medizinischen Handyregeln" der Ärztekammer seien immer noch "brandaktuell", betont der Umweltreferent Erik Huber. Schließlich könnten die so genannte "Reflex-Studie", die einen gentoxischen Effekt von Mobilfunkstrahlen ergeben habe, sowie auch erste Teilergebnisse aus der "Interphone-Studie", die ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Hörnerv-Tumore nach zehn Jahren Handytelefonie belegen, "von der Mobilfunklobby nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden". Huber rät vor allem Eltern, bei ihren Kindern auf einen sorgfältigen Umgang mit Mobiltelefonen zu achten.
Huber weist darauf hin, dass sich auch das Gesundheitsministerium den Ratschlägen der Ärztekammer bereits in vielen Punkten angeschlossen habe. So liegt eine Empfehlung des Obersten Sanitätsrats vor, die unter anderem eine Minimierung der Exposition bei der Standortwahl von Mobilfunksendeanlagen vorsieht. Die Wiener Ärztekammer sieht sich daher veranlasst, die Bevölkerung zu mehr Sorgfalt im Umgang mit Mobilfunkgeräten insbesondere bei Kindern aufzurufen. Huber: "Wir müssen davon ausgehen, dass Kinder gegenüber hochfrequenter Strahlung empfindlicher sind als Erwachsene, da der Schädelknochen dünner ist und die kindlichen Zellen eine erhöhte Teilungsrate, in der sie auf gentoxische Effekte empfindlicher sind, aufweisen."

Daher habe man sich entschlossen, dem Beispiel des britischen Gesundheitsministeriums und des dänischen Gesundheitsrates zu folgen und auch in Österreich vor übermäßigem Handytelefonieren insbesondere von Kindern zu warnen.

Die folgenden Leitlinien für mobiles Telefonieren sollen laut Huber "ausdrücklich nicht nur für Kinder" gelten:

 

Die Mehrzahl aller Studien seit 1994 belegen, dass die Mikrowellenstrahlung gesundheitsschädlich ist!

 

 

Woran leiden die Menschen?

 

1."Die gepulsten hochfrequenten elektromagnetischen Felder führen weit unterhalb der gültigen Grenzwerte zu einem vielschichtigen Krankheitsbild mit charakteristischer Symptomenkombination dem sogenannten Mikowellensyndrom.

 

Das Mikrowellensyndrom

 In Murcia (Spanien) wurde in der Umgebung von Mobilfunk-Basisstationen, die nach dem GSM-1800 -Standard arbeiteten, von Navarro et al.eine Gesundheitsbefragung durchgeführt. Die Umfrage enthielt Gesundheitsfragen, die mit dem ‚Mikrowellensyndrom' zu tun hatten. In der Wohnung der Bürger, die geantwortet hatten, wurde die Strahlungsdichte gemessen.

Die statistische Auswertung zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Schwere der angegebenen Symptome und der gemessenen Strahlungsdichte. Teilte man die Teilnehmer nach der Strahlenbelastung in zwei verschiedene Gruppen ein (1100µW/m² und 100µW/m²), so zeigte sich ebenfalls in der Gruppe mit der höheren Strahlenbelastung ein Anstieg in der Schwere der Symptome.

Die Symptome sind seit Jahrzehnten bekannt.

Schon sehr lange ist in der Wissenschaft das „Mikrowellensyndrom“ bekannt. (Schliephake 1932, 1952, Horn et al 1934, Dänzer et al.1938). 

Zu den Hauptsymptomen, die bereits vor 1932 veröffentlicht wurden, zählen:

 

  1. Das asthenische- oder Erschöpfungssyndrom: Müdigkeit, Reizbarkeit,   Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit

 

      2.    das dystonische - kardiovaskuläre Syndrom: Herzrhythmus-Störungen und arterielle Blutdruckstörungen;

 

      3.    und das dienzephalische Syndrom: Ermüdung, Schlaflosigkeit, Störungen der Sinne.

 

In Osteuropa sind von Gordon in den 50er, 60er, 70er Jahren, zusammen mit anderen Klinik-Teams, sorgfältige Studien an exponierten Bevölkerungsgruppen zur Belastung durch Hochfrequenzfelder durchgeführt worden. Dabei wurden Faktoren wie Lufttemperatur, Feuchte, Geräuschpegel, Licht und Lebensgewohnheiten mitberücksichtigt. Im Moscow Institute of Industrial Hygiene and Occupational Diseases sind seit 1948 in langandauernden klinischen Untersuchungen an mehr als 1000 Personen über 10 Jahre - tlw. gegen Kontrollgruppen getestet - Wirkungen von Hochfrequenz-Feldern untersucht worden und die Ergebnisse in einer Monographie zusammengefasst worden (Gordon, 1966).

Die Ergebnisse an Menschen im low-level-Hochfrequenzfeld:

 

- Änderung der Blutproteine und des Histamingehalts im Serum,

- Änderung der Enzym-Aktivitäten,

- Funktionsstörungen des Zentralen und des Vegetativen Nervensystems,

- Cardiovaskuläre Störungen,

- Kopfschmerzen,

- Hyperaktivität und innere Unruhe,

- große Müdigkeit und Leistungsschwäche,

- Schlaflosigkeit,

- Schmerzen im Brustbereich,

- EEG-Veränderungen,

- steigende Labilität des Kreislaufs mit Dauer der Exposition,

- steigende Sensibilität zum HF-Feld mit Dauer der Exposition.

 

Gleiche Ergebnisse durch chronische Einwirkung von schwachen Hochfrequenzfeldern veröffentlichte auch das State Institute of Industrial Hygiene, Polen - so z.B. Psychoneurovegetative Störungen, Chromosomen-Schädigungen, Embryonalstörungen und allgemeine Krankheitserscheinungen (Minecki 1961, 1963, 1964, 1965, 1967).

 

Noch umfangreicher schildert das Warsaw Institute of Aviation Medicine die Situation von Menschen im Einfluss von Mikrowellensendern. (Baranski 1967, Baranski et al 1966, 1967, 1971). Auch Czerski et al. 1964, Czerski 1972 beschreiben aufgrund eigener Versuche ausführlich das Mikrowellen-Syndrom und die Chromosomen-Schädigung .

 

R. Santini stellte 2004 fest: „Gründe für die Anwendung des Vorsorgeprinzips bei Mobilfunk- Basis-Stationen  sind, dass Biowirkungen von Mikrowellen seit mehr als 40 Jahren bekannt und belegt sind.

Hallberg und Oberfeld, 2006 legten Schätzungen basierend auf umfangreichen Stichproben-Erhebungen Elektrosensibler vor. Die Autoren meinen, dass 50% der Gesamtbevölkerung im Jahr 2017 elektrosensibel sein werden, gegenwärtig sind es ca. 20%.

Nach einer Studie von N. Cherry, 2000 an Hand von 150 aktuellen Publikationen genügen      4 µW/m² für Schlafstörungen und Lernbeeinträchtigung und 660µW/m² für Krebspromotion und Fruchtbarkeitsstörungen.

 

2.Im Umkreis von 400 m erkrankten nach 5 - 10 Jahren dreimal so viele Menschen 8,5 Jahre jünger an Krebs als in größerer Entfernung (Naila-Studie von Eger et al. 2004 )

„Das Ergebnis der Naila-Studie ist kein Einzelfall“, meinte Dr. Reinhold Jandrisovits in seinem Vortrag (13. Jahresfortbildungstagung Umweltmedizin der Österreichischen Ärztekammer „Gesundheitsrisiko Mobilfunk“ am 19. November 2005, St.Pölten, Österreich), er ist Allgemeinarzt im österreichischen Müllendorf – ein Ort mit 1200 Einwohnern und drei GSM-Basisstationen. Bei seinen Patienten sei die Zahl der Tinnitus-Fälle seit der Errichtung der Mobilfunkstationen deutlich gestiegen. Dies sei erst nach einer „Latenzzeit“ von zwei Jahren zum Vorschein gekommen. Auch klagen die Bürger im Umkreis der Anlagen nach Aussage des Arztes zunehmend über Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen. Immer mehr Patienten, vor allem jüngere, hätten zudem Krebsgeschwülste.

 Chromosomenaberrationen und Mikronuklei

 (Präparation und TEM – Foto von F.Ruzicka)

Leukämie

 (Präparation und Foto von F.Ruzicka)

 

3.Bei Nutzern von Handys ist nach 5 Jahren das Hirntumorrisiko bis 2,9fach höher als bei Nichtnutzern (Carlo 1999; Hardell et al. 1999, 2006 ). Laut Carlos Studien führen 500 Minuten pro Monat am Mobiltelefon zu einem 2- bis 3-fach erhöhten Risiko, an einem Gehirntumor zu erkranken. In den USA verbringen Kinder durchschnittlich 2.600 Minuten pro Monat am Handy. Nach 10 Jahren ist das Risiko bereits 15 mal so hoch. Am 2.12.2006 stellte Dr. George Carlo im Gespräch „What women must know“ mit Dr. Sherrill Sellman, USA fest, dass wir am Beginn einer Epidemie stünden, im Jahr 2006 gäbe es bereits 40.000 bis 50.000 Neuerkrankungen bei Hirn - und Augenkrebs*) und er erwarte für 2010  400.000 bis 500.000 Neuerkrankungen. Hirntumoren kosten jetzt mehr Todesfälle als jede andere Krebsart berichtete das Australische Fernsehen im Dezember 2006.  *) Uvealmelanom und Akustikusneuronom

 

4.Bei Handynutzern wird die Blut-Hirn-Schranke geöffnet und Schadstoffe gelangen in das Gehirn, es kommt zu einer Schädigung von Neuronen (Salford et al.2003, u.a.).

 

 

5.Bei Handynutzern kommt es zu Unfruchtbarkeit durch eine 30%ige Verringerung der Spermienzahl und bewegungsunfähige Spermien (Davoudi et al. 2002; Fejes et al. 2004).

 

  (Präparation und Foto von F.Ruzicka)

 

Geldrollenbildung der Erythrozyten

Nach einem dreiminütigen Handytelefonat kommt es zu einer starken Geldrollenbildung der Erythrozyten . Das führt zu einer Erhöhung der Viskosität des Blutes.

  (Präparation und Fotos von F.Ruzicka)

 

Handysucht ( BlackBerry – Sucht)

Die Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener schreibt in ihrer Broschüre, Problemfall Mobilfunk Schweiz, 2004 auf Seite 12 :" Innerhalb von 5 Jahren hat  sich die Zahl der Handys verzehnfacht. Wieso diese schnelle Ausbreitung? Wie beim Drogenhandel ist der Einstieg gratis. Millionenfach werden Handys verschenkt. Erst wenn die Leute einmal süchtig sind, wird kräftig abkassiert."

Nach einer aktuellen Umfrage von Lloyds TSB (2005) fühlen sich zwei Drittel aller Handybesitzer unwohl, wenn sie ihr Mobiltelefon zu Hause vergessen. Drei Prozent werden nach eigenen Angaben gar ängstlich oder panisch. Ähnlich groß ist auch die Abhängigkeit vom Internet - über 70 Prozent drehen nach eigenen Angaben durch, wenn sie nicht jeden Tag ihre E-Mails checken können. Psychotherapeuten bezeichnen das Phänomen das 'Mobile and Internet Dependency Syndrome' (MAIDS).

Beratungsstellen seien zunehmend mit dem krankhaften Gebrauch von Handys konfrontiert, berichtete unlängst Hellmut Koch, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Was bedeutet in diesem Zusammenhang "krankhaft"? Wenn Menschen die Kontrolle über das eigene Handeln verlieren und die Dosis zur Befriedigung der eigenen Gefühle ständig steigern müssen, dann spricht man von "krankhaft". Hellmut Koch konkret: "Sucht besteht dann, wenn Leute von ihren Handys nicht mehr lassen können, geradezu zwanghaft mehr als 100 SMS-Kurznachrichten pro Tag verschicken – und hinterher mit immensen Telefonrechnungen konfrontiert sind, die sie nicht mehr zahlen können."

Immer mehr Jugendliche versuchen zu sparen, damit sie sich ihr Handy leisten können. Das führt sogar soweit, dass mancher Teeny mit dem Rauchen aufhört, um die nächste Handy-Rechnung zu begleichen. Statt nikotinabhängig jetzt handysüchtig! Mittlerweile wird die Handy-Sucht gleichgesetzt mit Spielsucht (im Casino oder am Spielautomaten). Das betrifft junge Menschen genauso wie ältere. Fachleute begründen die Zunahme dieser Krankheiten mit der zunehmenden Anonymisierung der Gesellschaft.

Gesundheitsstudie unter Kindern und Jugendlichen

Im Auftrag des Stern wurde 2003 in Hamburg eine Gesundheitsstudie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 18 Jahren durchgeführt. Danach hatten 46,4 % Konzentrationsprobleme , litten 27,6 %  an Verwirrtheit und Zerstreutheit , hatten 19,7 % Allergien, 10,0 % ständige Kopfschmerzen , 5,4 % ständige Müdigkeit und dachten 4,9 % über Freitod nach. ( http://www.wissenschaft-unzensiert.de/ele2_15.htm )

Wahrnehmung des Risikos

Charpak und Broch (2003) weisen darauf hin, dass wir in unserem Alltagsleben die allmähliche Anhäufung von Risiken oft unterschätzen. Als Beispiel führen sie den Zigarettenkonsum an.

Rauchen kann bekanntlich weitaus fatalere Folgen haben als einen „harmlosen“ Schnupfen. So verkürzt jede Zigarette das Leben um 15 Minuten; die Lebenserwartung von Rauchern ist im Durchschnitt um 8,3 Jahre verkürzt. Die Gesundheitsrisiken durch Passivrauchen werden in der Bevölkerung weit unterschätzt. Passivrauchen gilt nicht umsonst als Eingriff auf das „Schutzgut körperlicher Unversehrtheit“, denn: Passivraucher haben im Vergleich zu Menschen mit einem rauchfreien Zuhause ein um 15 % höheres Todesrisiko.

Da in 68% aller wissenschaftlichen Untersuchungen ohne Industrieförderung über die Mobilfunkstrahlung ähnlich schwerwiegende Gesundheitsrisiken gefunden wurden wie beim Rauchen ist zu befürchten, dass auch durch Mobilfunkstrahlung eine Verkürzung der Lebenserwartung eintritt (siehe Rothman et al., 1996 Erhöhung der Sterblichkeit von Mobilfunknutzern im Vergleich zu konventionellen Telefonbenutzern).

 Wirkungsweise von EMF auf biologische Systeme und daraus resultierende Krankheiten

  

Die physikalische Möglichkeit eines elektromagnetischen Feldes biologische Effekte in lebenden Zellen oder Geweben auszulösen ist auf drei verschiedene Komponenten zurückzuführen, die Energie, die Intensität und die Struktur des Feldes. Falls eine dieser Eigenschaften Änderungen im zellulären System bewirkt, wird das Feld als bioeffektiv angesehen.

 

Die Struktur ist jene Komponente des EMF, die alle anderen biologischen Effekte auslösen kann, außer der direkten Schädigung durch die Energie und die Erhitzung durch die Intensität. EMF die mit einer konstanten Frequenz, Amplitude und Wellenform strukturiert sind ( EMF mit konstanten Charakteristika)  können biologische Effekte bewirken auch wenn die Intensität geringer als 10 Watt/ kg SAR beträgt und auch dann wenn die Intensität nicht ausreicht um einen Temperaturanstieg von weniger als 10-6 ° C im exponierten Gewebe zu bewirken. Diese athermischen Felder werden durch ihre Struktur biologisch aktiv und nicht durch einen Temperaturanstieg im Gewebe. Es ist bekannt, dass erst ab einer Erwärmung von 5,5° C die Produktion von Hitzeschockproteinen in Zellen einsetzt. Die notwendige Energie dazu beträgt etwa 23 000 000 J/m³. Ein Haushaltsstrom von bloß 8mG ist die Schwelle, um dieselbe Antwort an Hitzeschockproteinen auszulösen wie bei Erwärmung um 5,5° C. Die dafür notwendige Energie liegt aber bei 0, 000 000 26 J/m³, ein Faktor der    10 -14  niedriger liegt als die Schwelle bei Erwärmung wie Lin et al. 1997 gezeigt haben.

 

Die vierte Komponente, die Expositionsdauer oder die gesamte Exposition über einen Zeitraum, entscheidet ob die biologischen Effekte vorteilhaft, neutral oder schädigend für das biologische System sind. Es ist eine Frage der Dosis. Studien haben gezeigt, dass kurze Expositionszeiten oder wenige Expositionen von EMF ( bis zu einer halben Stunde an einigen Tagen) Zellen stimulieren. Es wurde z.B. in vielen Doppelblindstudien gezeigt, dass gepulste EMF das Knochenzellwachstum fördern und dies bei Knochenbrüchen eingesetzt werden kann die nicht heilen wollen. Auf der anderen Seite kann eine Langzeitexposition oder eine sich wiederholende Exposition das Umschlagen eines vorteilhaften biologischen Effektes, über einen neutralen in einen schädlichen biologischen Effekt bewirken.

Nicht-ionisierende, athermische EMF’s sind wegen ihrer zu geringen Energie und Intensität nicht in der Lage ein Zellsystem direkt zu schädigen. Entsprechend den physikalischen und biologischen Gesetzen muss dazu die Struktur des EMF  zeitlich und räumlich kohärent sein.

 

In einer Reihe von Arbeiten wurde gezeigt, dass ein nicht ionisierendes, athermisches EMF das kohärent ist, fähig ist ein Signal in Zellen von Tieren und Menschen zu übertragen. Dieses Signal ist eine Warnung an das zelluläre System über eine EMF Exposition, gerade wie es bei einer realen Bedrohung etwa einer Zerstörung durch ionisierende Strahlung, Röntgenstrahlen, Überhitzung, toxische Chemikalien, bakterielle Angriffe, etc. stattfindet. Ungeachtet der Tatsache, dass dem athermischen EMF die Energie und Intensität fehlt das Zellsystem direkt zu schädigen, wird durch dieses Signal eine Antwort auf der biologischen Ebene ausgelöst, welche in unerwünschter Weise das zelluläre Abwehrsystem erschöpft und es für reale Angriffe verwundbar macht.

 

Litovitz et al., 1991, haben gefunden, dass die Kohärenzzeit größer als eine Sekunde sein muss um eine feststellbare ODC (Ornithin-decarboxylase) – Aktivitätssteigerung bei L929 Fibroblasten zu erhalten und mehr als 10 Sekunden betragen muss um die maximale Steigerung von etwa einer Verdoppelung der ODC – Aktivität zu erhalten.

Litovitz et al. haben 1991 gezeigt, dass eine Bedingung zur Auslösung einer Zellantwort die Mindestdauer der Konstanz des EMF Feldes von einer Sekunde ist, da das Zellsystem bei Menschen und Tieren diese Zeit benötigt um auf die Exposition zu antworten.. Wo die Konstanz des EMF Feldes eine Sekunde überschreitet, ist das EMF Signal in der Lage über die Liganden der Zellmembran - Rezeptoren (Litovitz et al., 1994) eine nachweisbare Zellantwort zu bewirken und eine Kaskade von Ereignissen im zellulären biologischen System zu aktivieren . Wie Sun et al. 2003 gefunden haben kommt es dabei zu einer Clusterbildung von Zellmembranrezeptoren. Für diese Abfolge von Ereignissen wurden in wenigstens 50 Studien Beweise geliefert. Diese Studien wurden in einer Publikation von W.R.Adey, 1996 zusammengestellt:“A growing scientific consensus on the cell and molecular biology mediating interactions with environmental electromagnetic fields“. Eine Reihe von Forschungsergebnissen in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten publiziert, stützen die Feststellung, dass EMF Zellmembranrezeptoren veranlassen Botenenzyme wie Tyrosinkinase zu aktivieren. Die wichtigsten sind die drei Studien von Loscher et al.1998, Dibirdik et al. 1998 und Harvey et al.1999. Es wurde gezeigt, dass die reagierenden Rezeptoren das Signal mittels Botenenzymen an den Zellkern übertragen, der danach in Selbstverteidigung eine Vielzahl biologischer Effekte im Zellstoffwechsel aktiviert. Diese schließen eine Änderung der Aktivitäten von Genen, Hormonen, Enzymen und Proteinen ein, die alle die Zelle in eine Stresssituation führen, um sie gegen Umgebungseinflüsse zu schützen. Studien die das bestätigen sind von: Lin et al. 1995, 1997, Goodman et al. 1998 und Trosko et al. 2000. Dieser Notfallmechanismus ist für den Fall einer kurzen Exposition gut und schützend. Gibt es aber eine chronische Exposition, was im allgemeinen bei EMF der Fall ist, kommt es zu einer dauerhaften Alarmsituation. Das führt zu einer Erschöpfung des zellulären Repairsystems, eine Situation die am Ende die Produktion einiger der wichtigsten Repairenzyme und Stressproteine unterdrückt. Dieses Defizit des zellulären Repairsystems ist ein ernster Zustand. Die Zellen brauchen ständig eine effiziente Reparatur ihrer verschiedenen Biomoleküle (unter ihnen das DNA-Molekül) gegen den ständigen Angriff und die Zerstörung durch freie Radikale und andere reaktive Moleküle. Sind die Repairenzyme unter Stress und unfähig eine Reparatur durchzuführen wird der ultimative Mechanismus in Gang gesetzt, Stressproteine werden aktiviert um die Enzymfunktionen wieder herzustellen. Ist aber die Stressproteinproduktion durch die wiederholte Exposition durch ein EMF zu stark erschöpft bleiben die Moleküle unrepariert. Im Fall unreparierter DNA-Moleküle kann das fehlerhafte Molekül entweder absterben oder sich in ein abnormales Molekül umwandeln, mit aberranten Chromosomen und sogenannten Mikronuklei. Das kann zu Krebs führen. Falls diese Schäden z. B. im Gehirn passieren, kann es in Regionen wo sich Zellen vermehren zu Krebs kommen, in Arealen wo sich Zellen nicht vermehren ist Alzheimer eine mögliche Folge.